Nach der Corona-Flaute ist Zeit für eine neue grosse Herausforderung. Chrigu, der die 24h-Challenge organisiert hat, machte mich gluschtig auf den nächsten Coup aus seinem lokalen Trailrunning-Freak-Umfeld: 75km mit über 5000 Höhenmetern von Solothurn aus über sämtliche schönen Trails hinter meinem Haus, d.h. natürlich ein paar mal auf den Berg und wieder runter über Balmfluhköpfli, Chamben, Röti, Weissenstein, Oberdörferberg, usw. Viele Wege gefallen mir bereits und einige km werde ich neu entdecken.
Weitere Infos auf der durch juraxtreme.com extra dafür eingerichteten Webseite solo11peaks.com.
Ich kümmere mich jetzt um die – etwas kurzfristige – Vorbereitung. In Bewegung bin ich in letzter Zeit geblieben und mit Bestzeiten darf ich ohnehin nicht rechnen. Einfach durchhalten und am Schluss stolz sein auf die erbrachte Leistung, die alle meine bisherigen Läufe übertrifft.
Folgende Fragen stelle ich mir:
- Wie viel Verpflegung brauche ich für die 14 bis 15 Stunden unterwegs? Schliesslich wird es recht anstrengend und ich muss alles selber mitschleppen oder etwas vorgängig deponieren.
- Welche Ausrüstung soll ich mitnehmen? Sicher möglichst wenig – es wird nicht alpin und ich werde wenn nötig jederzeit irgend einen Heimweg finden. Aber: Soll ich die Stöcke mitnehmen und sind die Trailschuhe wirklich nötig?
- Bin ich wirklich genug fit für die Sache? Ich habe mich auf jeden Fall nicht spezifisch vorbereitet, bin aber immerhin kürzlich den Ridge Trail Gantrisch gelaufen und sonst natürlich öfter in dem «11 peaks-Gebiet» unterwegs – normalerweise allerdings läppische 1 bis 3 Stunden :-).
Verpflegung
Einlesen im Internet ist angesagt. Auf zwei Webseiten lese ich, dass Trailrunning ca. 800kcal pro Stunde verbraucht – also gut 10000kcal. Und Strava meldet mir 1500kcal für den Testlauf über 11km mit 800hm in ca. 1.5h – mal Sieben gibt das auch 10500kcal.
Ich schaue auf meine 40g-Sportriegel: 175kcal. Und auf mein 35g-Gel: ca. 100kcal. Ausgerechnet gibt das also rund 57 Riegel oder 100 Gel. Die Rechnung muss also anders gehen, schliesslich werde ich vorher noch schön Kohlenhydrate essen (jetzt weiss ich, warum) und unterwegs noch weitere Körperdepots anzapfen.
Ein anderer Tipp kommt aus einem alten Blogbeitrag einer kommerziellen Seite: https://www.sportfood4you.ch/2013/07/verpflegungstipps-fur-den-eiger-ultra-trail/. Eiger Ultra Trail klingt doch gut und mit den Tipps bin ich für den «11 peaks» auf der sicheren Seite. Für mich die Hauptaussage ist: 80-100g Kohlenhydrate pro Stunde. Ich rechne wieder: 14 Stunden mal 80g gibt immerhin nur noch 28 Riegel? Falsch, mein 40g- Riegel enthält nur 15g Kohlenhydrate – jetzt komme ich sogar auf 74 Riegel. Das packe ich sicher nicht in meinen Rucksack 🙂
Wenn ich mich zurückzuerinnern versuche, nehme ich am Jungfrau-Marathon natürlich schon ein paar Stücklein Banane, 2 Stücklein Riegel, 5 Gels und an jedem Verpflegungsposten einen Becher Iso – und das über 4 Stunden. Hochgerechnet wären das dann vielleicht für den 11 peaks 2 Bananen, 3 Riegel und gegen 20 Gels. Das klingt auch wieder nicht so toll, vor allem, nachdem ich inzwischen gelesen habe, dass der rasche Zuckeranstieg und -abfall nach Gels auf längeren Strecken nicht unbedingt förderlich sei. Zudem muss ich mich sicher nicht so pushen wie am Jungfrau-Marathon, sondern lieber schauen, dass ich auch die letzten Höhenmeter nach den vielen Abstiegen noch irgendwie schaffe und mich mit schwammigen Beinen auf den spitzen Steinen und glitschigen Stufen nicht verletze.
Meine Erkenntnis ist also, dass ich vorher ein paar mal Spaghetti essen muss, vor dem Start vielleicht noch gäbig Weissbrot. Dann halt schon etliche Riegel und ein paar Notfall-Gels in den Rucksack packe und unterwegs auf jeden Fall noch Bouillon, Weissbrot und Banane vorgängig verstecke. Meine 2-Liter-Wasserblase und Kenntnis über Nachfüllstellen (noch anzueignen) gehören da selbstverständlich dazu.
Material
Wegen dem regnerischen Wetter der letzten Tage rechne ich mit vielen rutschigen Passagen. Ein Testlauf mit meinen Adidas Boston Boost hat mich überzeugt, die Trailschuhe anzuziehen – trotz den seitlichen Löchern. Lieber gutes Profil als laubdichte Schuhe 🙂
Das mit den Stöcken muss ich mir noch überlegen. Ich laufe eigentlich lieber ohne Stöcke, habe aber die Stöcke auch schon schätzen gelernt. Und wenn ich an den Abstieg über die hohen steinigen Stufen der Geissflueh nach über 60km und 4500hm denke, müssen die wohl einfach sein.
Weiter muss die Stirnlampe mit – wir starten am Abend und werden die ersten 2-3 Auf- und Abstiege im Dunkeln machen.
Vorbereitung
Es bleibt nicht mehr viel übrig, als einfach mal noch zu schauen, wie das Wetter wird, die Strecke zu studieren (vor allem den dritten, vierten und fünften saumässigen Anstieg) und die letzten Tage noch etwas zu entspannen und idealerweise genügend zu schlafen. Und mich zu freuen!
